Schlüssel zu mehr Offenheit: „Kulturdolmetscher plus“

von | Dez. 10, 2025 | Allgemein | 0 Kommentare

Damit kirchliche Bildung auch morgen ein gesellschaftlich wirksamer und für alle offener Lern- und Begegnungsraum bleibt, braucht es schon heute Angebote, die gezielt den Blick weiten. Das seit 2020 laufende Projekt „Kulturdolmetscher plus“ – vor Kurzem wurden die neuen Zertifikate verliehen – steht genau dafür: Für Menschen, die andere Lebenswelten sichtbar machen, Barrieren und Spaltung überwinden und Brücken für echte Teilhabe bauen.

Herzlichen Glückwunsch! – Über 70 Frauen und Männer, die sich in ganz Bayern vorbildhaft für Integration einsetzen, bekamen Anfang November das Zertifikat für ihre Ausbildung zum „Kulturdolmetscher plus“ überreicht. – Ein idealer Zeitpunkt für uns als Projektpartner der ersten Stunde, um nicht nur von den Feierlichkeiten in der Katholischen Akademie in Bayern zu berichten, sondern auch über die vielen kleinen und großen Erfolge des „Kulturdolmetscher plus“ in der EEB Bayern – und was für die Zukunft geplant ist.
„Es geht bei diesem Projekt nicht nur um Übersetzung, es geht nicht nur um die richtigen Worte“, so Staatsminister Joachim Herrmann bei der diesjährigen Zertifikatsverleihung. „Es geht darum, dass man Menschen hilft, sich besser zu verstehen. Und das nicht nur im wörtlichen Sinn, sondern auch hinsichtlich dessen, was Menschen bewegt, was sie neu erleben und empfinden. All das muss gedolmetscht werden. Und darum sind Sie alle Vorbilder – sowohl für andere Migrantinnen und Migranten, aber auch für unsere deutsche Gesellschaft insgesamt. Sie wissen, welche Wege man nehmen muss, weil Ihr Weg bislang erfolgreich war und ist. Und nun nehmen Sie Neuzugewanderte mit auf ihrem Weg zu Integration und bauen Brücken zwischen den Kulturen.“
In seiner Rede dankte Hermann auch im Namen des Freistaats Bayern, der Staatsregierung und des Landtags insgesamt für das großartige Engagement:„Es ist gut, dass es Menschen gibt, wie Sie!“

„Menschen wie Sie“, die gibt es auch im Bildungswerk der Evangelischen Erwachsenenbildung im Oberland (Dekanate Weilheim und Bad Tölz), das vor einiger Zeit die Leitung des „Kulturdolmetscher plus“ von der Diakonie übernommen hat. Seither managt Hava Sirin, die im vergangenen Jahr selbst eine Ausbildung zur Kulturdolmetscherin absolviert hat, die Koordination des Projektes, und zwar ausschließlich angedockt ans EBW, berichtet Geschäftsführer Norbert Räbiger.
„Seit vier Jahren bietet die EEB im Oberland gemeinsam mit der Diakonie und der Integrationslotsin das Kulturdolmetscher-Projekt an. In acht Kursen wurden bisher 95 Kulturdolmetschende ausgebildet. Sie begleiten Menschen beim Ankommen in Deutschland – bei Arztbesuchen, Behördengängen, Elternabenden in Kitas und Schulen. Damit sind sie wichtige Brückenbauer in unserer Gesellschaft. In diesem Jahr konnten wir eine qualifizierte Koordinatorin für die Kursorganisation und Einsatzplanung gewinnen, die zudem über einen Migrationshintergrund verfügt. Nach erfolgreichem Abschluss des Kurses im vergangenen Jahr trägt sie nun aktiv mit ihrer Erfahrung zur Weiterentwicklung bei. Ein zentrales Anliegen ist für Hava Sirin die Förderung der Integration auf unterschiedlichen Ebenen. Aus diesem Grund engagiert sie sich zusätzlich in der Kommunalpolitik und kandidiert im kommenden Jahr sowohl in einer Stadt, als auch im Landkreis bei der Kommunalwahl.
Der Bedarf an Kulturdolmetschenden wächst stetig. Deshalb starten wir ein neues Projekt: Interkulturelle Sensibilisierung an Schulen. Eltern und Lehrkräfte sollen als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren wirken und gemeinsam mit Schülern und Eltern interkulturelle Themen bearbeiten. Ein wichtiger Meilenstein war die Aufnahme des Projekts in das Integrationskonzept des Landkreises, der einen Teil der Einsätze finanziell fördert. So können wir den Kulturdolmetschenden ihre Aufwendungen teilweise erstatten – dafür sind wir sehr dankbar!“

40 Unterrichtseinheiten zu kulturellen Hintergründen und Unterschieden in den Bereichen Bildung, Erziehung, Religion oder Familie sind dem Moment vorausgegangen, bevor Kulturdolmetschende wie Hava Sirin ihr Zertifikat erhalten haben und nun als kulturkompetente, ehrenamtliche Gesprächspartner*innen und Brückenbauer*innen in der Evangelischen Erwachsenenbildung aktiv sind.  – Als eine Bereicherung für ihre kirchliche Bildungsarbeit erlebt auch Sabine Hammerbacher, Geschäftsführerin des ebs Südschwaben, das Projekt.
„Der „Kulturdolmetscher plus“ ist für uns eine riesige Chance, im Rahmen dessen wir sehr eng mit der Asylberatung der Diakonie zusammenarbeiten. Das bedeutet für beide Seiten eine Win-Win-Situation: Die Asylberatung gestaltet die Qualifizierungskurse mit, kann über ihre Kontakte gezielt geeignete Personen für die Ausbildung ansprechen und vermittelt dann die Einsätze der Kulturdolmetscher*innen. Da der Bedarf in unserer Region stetig zunimmt und alle bereits ausgebildeten Migrantinnen und Migranten gut beschäftigt sind, finden in der Stadt Kempten sogar zwei Kurse pro Jahr statt. Inzwischen sind die Qualifizierungskurse dank der Beratung durch unser Bildungswerk und dem Einbringen unserer Erfahrungen im ganzen Dekanat bekannt – und auch Kaufbeuren ist als fester Ausbildungsort mit im Boot. Dort erfolgt die Vermittlung der ausgebildeten Kulturdolmetscher*innen über den Arbeitskreis Asyl. – Die gute Vernetzung und Kooperation des ebs Schwaben mit regionalen „Stellen“, die nah an den Menschen sind, ist für mich der Dreh- und Angelpunkt. Davon profitiert unsere Bildungsarbeit enorm und dieses „Raus aus der Bubble“ wird in Zukunft sicher an Bedeutung gewinnen.“

Ebenfalls mit Blick in die Zukunft, sieht Dr. Martin Waßink, Geschäftsführender Vorstand im EBW Oberfranken-Mitte, noch eine weitere, sehr erfreuliche Entwicklung, die das Projekt „Kulturdolmetscher plus“ mit sich bringt: Nicht nur die Zahl der Qualifizierungskurse in steigt in Stadt und Land, sondern auch der Wunsch nach Weiterbildungsangeboten im Anschluss an die Ausbildung.
„Die Gruppe der Kulturdolmetscher*innen wächst im Verlauf der intensiven Fortbildung zusammen und der Wunsch nach einem „Mehr“ an Bildung nach Abschluss wurde zunehmend deutlich. In Absprache mit der Kursleiterin und nach Rücksprache mit den Absolventen haben wir daraufhin in unserem Bildungswerk an einem Samstag einen Fortbildungstag „Crashkurs Kulturdolmetscher Verbraucherbildung“ organisiert. Eingeladen waren etwa 45 Absolvent*innen der vier Jahrgänge. Vierzehn Teilnehmende nutzten das kostenlose Angebot, das sich mit den Themen Reflexion des Umgangs mit Geld, Bezahlen per Smartphone und typische Fallstricke sowie wichtigen Versicherungen befasste. Für den nächsten Jahrgang in 2026 planen wir, eine vergleichbare Fortbildung zeitnah an die Zertifikatsverleihung anzuschließen.“

Foto: Gute Stimmung bei der „Kulturdolmetscher plus“-Zertifikatsverleihung in München. Im Bild von links: Dr. Martin Waßink (Geschäftsführender Vorstand EBW Oberfranken-Mitte), Staatsminister Joachim Herrmann, Dr. Achim Budde (Vorsitzender KEB Bayern), die neu zertifizierte Kulturdolmetscherin Oksana Malzer, Valentina-Amalia Dumitru (Kursleiterin im EBW Oberfranken-Mitte) und Iamze Stepliani (Projektleiterin KEB Bayern)

Weitere Einrichtungen der EEB Bayern, die am Kulturdolmetscher-Projekt teilnehmen:
Evangelisches Bildungswerk Landshut
Evangelisches Bildungswerk Oberpfalz – Standort Weiden
Evangelisches Bildungswerk Oberpfalz – Standort Amberg
Evangelisches Bildungswerk Schweinfurt (neu)
Evangelische Erwachsenenbildung Oberfranken West – Standorte Bamberg und Coburg (zwei Kurse)

Sie sind interessiert, in Ihrer Bildungseinrichtung „Kulturdolmetscher plus“-Kurse anzubieten? – Dann kontaktieren Sie uns gerne unter: landesstelle.eeb@elkb.de

Zur weiteren Info:
Das seit 2020 von der KEB Bayern initiierte und gemeinsam mit der EEB Bayern durchgeführte Projekt „Kulturdolmetscher plus“ wird vom Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration gefördert. Im Jahr 2025 (Fördergeldsumme 298.000 Euro) profitierten davon 23 Kurse von Mitgliedseinrichtungen der Katholischen und Evangelischen Erwachsenenbildung in fast allen bayerischen Regierungsbezirken.

Link zur Website „Kulturdolmetscher plus“ hier