Fachtagung und Festakt am 21. September 2026 in Bamberg

Foto: (c) STMUV / RALF RÖDEL
Wie können Menschen in einer immer komplexer werdenden Welt selbstbestimmt entscheiden? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Fachtagung mit Festakt „10 Jahre Stützpunkte Verbraucherbildung Bayern“, die die Koordinierungsstelle Verbraucherbildung Bayern bei der Evangelischen Erwachsenenbildung Bayern (EEB Bayern) in Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV) am 21. September in Bamberg veranstaltete.
Entscheidungsfreiheit im digitalen Wandel
Zum Auftakt beleuchtete Prof. Dr. Timo Jakobi von der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm die Zukunft der Entscheidungsfreiheit in einer zunehmend digital geprägten Welt. Sein Vortrag zeigte, wie personalisierte digitale Angebote und KI-Agenten Entscheidungen zunehmend vorbereiten und beeinflussen. Verbraucher*innen überschätzten ihre Fähigkeiten Beeinflussung zu erkennen stark. Verbraucherbildung müsse Menschen deshalb befähigen, eigene Ziele zu formulieren, Empfehlungen kritisch zu hinterfragen und selbst zu bestimmen, welche Entscheidungen sie digitalen Systemen überlassen.
Gute Finanzbildung: neutral und für alle zugänglich
Im anschließenden Panel „Was zeichnet gute Finanzbildung aus?“ diskutierten Dr. Birgit Happel, Markus Latta und PD Dr. Marion Fleige unter der Moderation von Finanzjournalistin Anissa Brinkhoff.
Thema war unter anderem der neue Strategieentwurf des Bundesfinanzministeriums zur nationalen Finanzbildungsstrategie. Während dieser als erster wichtiger Schritt eingeordnet wurde, gab es zugleich kritische Positionen zur Einbindung privatwirtschaftlicher Akteure, insbesondere der Finanzwirtschaft.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Erreichbarkeit vulnerabler Zielgruppen. Wie PD Dr. Marion Fleige betonte, werden diese zwar nie vollständig erreicht werden können – dennoch bleibt es eine zentrale Aufgabe der Erwachsenenbildung, möglichst niedrigschwellige Zugänge zu schaffen. Ein konkretes Anliegen von ihr: Gedruckte Programmhefte sollten nicht vorschnell abgeschafft werden. Forschungsergebnisse zur Programmkommunikation weisen darauf hin, dass gerade für bildungsfernere Bevölkerungsgruppen die Orientierung am gedruckten Gesamtprogramm und dessen verständliche Vermittlung hilfreich sein können.
Festakt würdigt zehn Jahre Engagement
Im Festakt begrüßte EEB-Bayern-Vorständin Ramona Leibinger die Gäste und hob das Entwicklungspotenzial des Menschen in jedem Alter hervor. Verbraucherbildung stärke alltagsrelevantes Wissen und praktische Kompetenzen – damit Menschen sich eine eigene informierte Meinung bilden und eigenständige, reflektierte Entscheidungen treffen können. Dafür brauche es auch niedrigschwellige und barrierearme Zugänge.
Bayerns Verbraucherschutzminister Thorsten Glauber würdigte anschließend das langjährige Engagement der Stützpunkte. Inzwischen umfasst das bayerische Netzwerk 61 Einrichtungen, die mit qualifizierten Angeboten zu Finanzthemen, Digitalem und nachhaltigem Konsum Verbraucherkompetenz vor Ort stärken.
Im Rahmen einer Gesprächsrunde zum Thema „Verbraucherkompetenz im Wandel“ tauschten sich die Vertreter*innen der Erwachsenenbildung Vera Lohel, Ralph Korschinsky und Ruth Jachertz über die Bedeutung der Verbraucherbildung aus. Zum Abschluss erhielten folgende zehn Stützpunkte der ersten Stunde Urkunden für ihr zehnjähriges Bestehen:
- Deutscher Evangelischer Frauenbund, Landesverband Bayern e.V.
- Volkshochschule Mainburg
- Volkshochschule SüdOst im Landkreis München
- KAB Bildungswerk Bamberg
- Volkshochschule im Landkreis Amberg Sulzbach
- Volkshochschule Weiden-Neustadt
- Volkshochschule Augsburger Land
- Volkshochschule Würzburg & Umgebung.
- Volkshochschule Kempten und nördlicher Teil des Landkreises Oberallgäu
- Volkshochschule Memmingen
Verbraucherbildung als Aufgabe der Erwachsenenbildung
Die Veranstaltung machte deutlich: Verbraucherbildung schafft Lernräume, in denen Menschen Orientierung gewinnen und ihre Selbstbestimmung stärken können. Die Stützpunkte leisten dazu seit zehn Jahren einen wichtigen Beitrag – regional verankert, qualitätsgesichert und nah an den Lebenswelten der Menschen.

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